Tagung 'Freiheit und Verantwortung'

Eine Tagung - nicht wie jede andere!

"Freiheit und Verantwortung - selber denken und handeln"
23. - 25. September 2016 in Hamburg

Michael Beißenhirtz setzt zu seinem zweiten Satz an. Er spielt ein Stück von Chopin. Nein, jetzt dürfen wir noch nicht klatschen. Aber dann...der Beifall holt den Musikprofessor mehrfach auf die Bühne. Über 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen genießen dankbar diese Viertelstunde des Musikgenusses. Wir sind inmitten einer Tagung mit anspruchsvollem Inhalt: Freiheit und Verantwortung - selber denken und handeln. Initiiert durch Dr. Sylvia Kolk, seit 20 Jahren Dharmalehrerin in der Nachfolge von Ayya Khema.

Vor über 2 Jahren begann Sylvia Kolk, sperrige und brisante Themen unserer Zeit, wie Massenflucht, Big Data, Kapitalismuskritik etc. direkt ins Buddhistische Stadt-Zentrum Hamburg zu bringen. Eben jene Themen, die Verwirrung, Angst und Unsicherheit entstehen lassen. Sie entwarf entsprechende Veranstaltungsformate, in denen Meditation, Dialog und die schwierigen Themen unserer Zeit miteinander verbunden werden konnten. Dazu lud sie profilierte und bekannte ReferentInnen ein, die virtuos und engagiert komplexe Zusammenhänge in leicht verständliche Sprache bringen konnten. Die Umdenkprozesse waren geboren und die Tagung war nun ein vorläufiger Höhepunkt dieser Reihe.

Die Leitfrage der Tagung lautete: Welchen Beitrag kann Spiritualität zu einer anderen Form gesellschaftlicher Gestaltung leisten? Denn vieles in dieser Welt funktioniert nicht mehr so, wie es soll. Es ging um Ermutigung, Zuversicht, tieferes Nachdenken, Aufklären und sich Einlassen im Miteinander durch Austausch, Dialog, Meditation und gemeinsames Erleben.

"Wenn dieser innere Weg einen Effekt hat und wir wirklich zu Mitgefühl, Gleichmut und einer Bewusstheit erwachen, die sich selbst erkennt und Leiden zu überwinden vermag, dann kommt der Moment, wo wir vom Meditationskissen aufstehen und in Resonanz zu dem gehen, was in der Welt geschieht...und es verantworten". (S. Kolk)

Auch wenn wir keine schnellen Lösungen hinsichtlich der Verwerfungen unserer Gesellschaft haben: wir bleiben wach und erleben uns als Teil einer großen gesellschaftlichen Transformation und Bewusstseinsveränderung, die weltweit in unzähligen Akteur_innen und Gruppierungen lebendig werden.

Professor Claus Eurich, Kommunikationswissenschaftler und Kontemplationslehrer, sprach über die Verantwortung des Menschen für seinen Innenraum und die Fähigkeit zur Vision. Brillant führte er durch die geistige Entwicklungsgeschichte des Abendlands hin zur Notwendigkeit, sich ethisch zu verankern und zu verantworten. Begeistern konnte auch Christian Felber, ein Akteur, der vor 5 Jahren die Gemeinwohlökonomie in Österreich begründete und nun in vielen Ländern umherreist und authentisch, lebendig und zuversichtlich auf das hinweist, was alles möglich ist, wenn wir uns wieder mehr solidarisieren und unsere Werte leben.

Nach einem leicht verdaulichen Mittagessen folgte ein schwer verdauliches Thema. Dr. Michael Lüders, Islamwissenschaftler und Politologe, sprach über den Nahen und Mittleren Osten, den Terror, den Staatszerfall und den Siegeszug islamischer Milizen. M. Lüders, bekannt aus politischen Talkrunden im TV, ehemaliger Nahostkorrespondent der ZEIT, heute freier Publizist, Autor, Politik- und Wirtschaftsberater. versteht es, unprätentiös, glaubhaft, kritisch und sehr klug, die weniger offensichtlichen Zusammenhänge dieses komplexen Themas darzulegen. Viele von uns erlebten eine Art Erlösung von der Beklemmung und Unsicherheit, die mit diesem Thema einhergeht.

Umsichtig hatte die Tagungsleitung im Anschluss ein ‚World-Café` geplant. Über 200 TeilnehmerInnen verteilten sich zum gemeinsamen Nach-Denken und direkten Austausch an 30 Sechser-Tischen . Aus diesen Dialogen entstanden Fragen, die an Michael Lüders weitergegeben wurden und die dieser anschließend im Vortragssaal beantwortete.
Ein weiterer Höhepunkt erwartete uns alle am letzten Tag. Dr. Natalie Knapp, Philosophin, machte lebendig, eindrücklich und nachhaltig deutlich, dass Zeiten der Unsicherheit eine große Entwicklungschance bergen....-  wenn wir sie denn wahrnehmen können.

Wir haben uns alle ein wenig verändert an diesem Wochenende. Wir sind zuversichtlicher geworden und haben erlebt, wie wichtig es ist, sich mit anderen zusammenzutun, und wie wesentlich Wissen, Weisheit und Humor sind. Jeden Abend kam Samuel Bartussek, ein zauberhafter Pantomime aus Österreich, mit seiner Heiteren Tagungs-Schau auf die Bühne. Eine sehr spezielle Form der Bewusstseinsarbeit und Reflexion all dessen, was im Tagungs-Verlauf beobachtbar ist. Achtsam, humor- und liebevoll pointiert.

Nichts war sogenanntes Beiprogramm, also etwas, auf das man auch hätte verzichten können. Die Dramaturgie dieser Tagung war gekonnt. Und am Ende gab es genau dafür Standing Ovations für Sylvia Kolk, ein Multitalent, wie Ruth-Esther Geiger, die Moderatorin, voller Respekt feststellte.

...wir machen weiter! Im Oktober werden die Fäden der Tagung und der Umdenkprozesse weitergesponnen. Wir werden uns als buddhistisch Praktizierende unseren gesellschaftlichen Visionen widmen und uns weiter um die Verarbeitung aktueller brisanter politischer Ereignisse kümmern!

 

Nach oben ∆